Alle Artikel

Mythbuster

Der Hüftbeuger (Psoas) muss bei allen Rückenschmerzen immer intensiv gedehnt werden.

1. Januar 20094 Min. LesezeitGrow Fit Academy

Kurzfassung

Der Hüftbeuger (Psoas) ist bei Rückenschmerzen oft nicht verkürzt, sondern schwach oder überlastet – intensives Dehnen kann das Gewebe zusätzlich reizen. Gezielte Kräftigung von Psoas und Rumpf ist häufig wirksamer als pauschales statisches Dehnen.

Primärquelle

Hier originale Quelle lesen

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20037696/

Mythbuster: Der Hüftbeuger (Psoas) muss bei allen Rückenschmerzen immer intensiv gedehnt werden.

Der Mythos

Der Hüftbeuger (Psoas) muss bei allen Rückenschmerzen immer intensiv gedehnt werden.

Was die Evidenz sagt

Oft ist ein schmerzender Hüftbeuger nicht „verkürzt“, sondern schwach oder überlastet. Exzessives Dehnen kann das Gewebe weiter reizen. Häufig ist eine gezielte Kräftigung des Psoas und der umliegenden Rumpfmuskulatur effektiver als rein statisches Dehnen.

Praxis: Konkrete Umsetzung

Der Mythos „immer intensiv dehnen“ führt in der Praxis oft dazu, dass Betroffene genau das Gegenteil dessen tun, was dem Gewebe hilft. Statt pauschal zu dehnen, gilt: erst einordnen, dann dosieren. Ein schmerzender Hüftbeuger ist häufig nicht verkürzt, sondern schwach oder überlastet – exzessives statisches Dehnen kann das Gewebe weiter reizen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie du das im Alltag und Training umsetzt.

Beispiel A — Wochenplan (Einordnung statt Reflex)

Ziel: Belastung und Erholung des Hüftbeugers so steuern, dass Kraft und Toleranz steigen, ohne das Gewebe zu reizen.

Tag Fokus Konkrete Einheit Dauer
Mo Kraft Psoas/Hüfte Hip-Flexor-Kräftigung (z. B. Standing March, Dead Bug, Kopenhagen-Variante leicht) 10–12 Min
Di Rumpf & Gesäß Anti-Rotation (Pallof), Glute Bridge, Side Plank 10 Min
Mi Alltag/Gehen Spaziergang, Treppen, kein gezieltes Dehnen 20–30 Min
Do Kraft Psoas/Hüfte Wie Mo, leicht progressive Steigerung 10–12 Min
Fr Mobilität dosiert Sanfte Hüftstreckung nur bei Bedarf, kurz und schmerzfrei 5 Min
Sa Rumpf & Gesäß Wie Di 10 Min
So Erholung Leichte Bewegung, kein intensives Dehnen –

Wichtig: Intensives statisches Dehnen steht hier nicht als Pflichtprogramm, sondern nur optional und kurz – und nur, wenn es keine Symptome provoziert.

Beispiel B — Ausführung & Coaching-Cues

Kräftigung statt Reflex-Dehnen:

  • Standing March: Aufrecht stehen, ein Knie langsam auf Hüfthöhe heben, Becken stabil halten. Cue: „Bauch leicht anspannen, Rippen über Becken halten, nicht ins Hohlkreuz ausweichen.“
  • Dead Bug: Rückenlage, Arme und Beine im 90-Grad-Winkel. Cue: „Lendenwirbelsäule sanft in den Boden drücken, ein Bein langsam ausstrecken, ohne dass der Rücken abhebt.“
  • Pallof Press: Seitlich zum Kabelband stehen, Band nach vorn drücken. Cue: „Becken und Brustkorb bleiben parallel, nichts rotiert.“

Wenn du doch dehnst:

  • Nur bei Bedarf, nicht täglich als Pflicht.
  • Kurz halten (ca. 20–30 Sekunden), schmerzfrei.
  • Cue: „Nur bis zum ersten Spannungsgefühl, nicht in den Schmerz.“
  • Bei Zunahme der Beschwerden: Dehnen pausieren und Kräftigung priorisieren.

Beispiel C — Mikrozyklus (4 Wochen)

Woche Schwerpunkt Dosierung
1 Gewöhnung 2×/Woche Psoas-/Hüftkraft, sehr leicht, 2 Sätze
2 Aufbau 2–3×/Woche, 3 Sätze, langsame Wiederholungen
3 Progression 3×/Woche, Last/Wiederholungen leicht erhöhen
4 Konsolidierung 2–3×/Woche, Technik halten, Dehnen nur bei Bedarf

Begleitend: Alltagsbelastung prüfen (langes Sitzen, viel Treppensteigen, Laufumfang). Oft liegt die Ursache in der Summe der Belastung, nicht in „zu kurzen“ Muskeln.

Ideal: Du ordnest Beschwerden ein, trainierst Psoas und Rumpf gezielt und dehnst nur situativ und schmerzfrei.

Gut genug: Du ersetzt das tägliche intensive Dehnen durch 2–3 kurze Krafteinheiten pro Woche.

Erster Schritt: Du lässt das intensive Dehnen für eine Woche weg und beobachtest, wie sich die Beschwerden verändern.

Weiterlesen an der Quelle

Hier originale Quelle lesen

Häufige Fragen

Muss ich bei Rückenschmerzen den Hüftbeuger immer dehnen?

Nein. Ein schmerzender Hüftbeuger ist häufig nicht verkürzt, sondern schwach oder überlastet. Pauschales intensives Dehnen kann das Gewebe weiter reizen. Sinnvoller ist meist eine gezielte Kräftigung des Psoas und der umliegenden Rumpfmuskulatur, kombiniert mit angepasster Alltagsbelastung.

Wann kann Dehnen des Hüftbeugers trotzdem sinnvoll sein?

Dehnen kann situativ sinnvoll sein, wenn es schmerzfrei bleibt, nur kurz dosiert wird (ca. 20–30 Sekunden) und keine Symptome provoziert. Es sollte aber nicht als tägliches Pflichtprogramm bei allen Rückenschmerzen verstanden werden. Treten Beschwerden beim Dehnen auf, ist Kräftigung zu priorisieren.

Was ist die wichtigste Alternative zum intensiven Dehnen?

Gezielte Kräftigung: Übungen wie Standing March, Dead Bug oder Pallof Press trainieren Psoas und Rumpf, verbessern die Belastungstoleranz und stabilisieren das Becken. Begleitend lohnt es sich, die Alltagsbelastung (langes Sitzen, Treppen, Laufumfang) zu prüfen, da die Ursache oft in der Summe der Belastung liegt.

Teilen